Christine Blättler: Benjamins Phantasmagorie. Wahrnehmung am Leitfaden der Technik

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Christine Blättler: Benjamins Phantasmagorie. Wahrnehmung am Leitfaden der Technik
Taschenbuch, 280 Seiten mit 5 Abbildungen
DEJAVU Theorie 2021
ISBN 978-3-9823146-0-0

Das schillernde Wort Phantasmagorie figuriert als romantische Leitmetapher für geisterhafte, unheimliche und irrationale Erscheinungen. Für diese wiederum weisen die Künste ein besonderes Sensorium auf, und auch die Philosophie braucht sie keineswegs als ein “Anderes der Vernunft” auszugrenzen. Dieses Buch nimmt seinen Weg über den technischen Ursprung der Metapher: Um 1800 treten mit der Projektion bewegter Bilder neuartige Inszenierungen der Laterna magica auf, die ein Kapitel aus der Vorgeschichte des Kinos darstellen. Die Phantasmagorien dienten weder dazu, einen neuen Gespensterglauben zu etablieren, noch «den Menschen» als unvernünftiges Wesen festzuschreiben. Stattdessen speisten sie sich aus einer Spannung zwischen sinnlicher Wahrnehmung und Verstand, die bis heute Theoriearbeit herausfordert.

Im Gespräch mit Walter Benjamins Spätwerk widmet sich dieses Buch Phänomenen von der Kinohöhle bis zum Kosmos des “Anthropozäns”. Über verschiedene Stationen erkundet es Beziehungen zwischen Technik und Imagination, Wahrnehmung und Wissen. So untersucht das Buch, wie sich im Herz der Aufklärung Blendwerk behauptet und wie sich die Phantasmagorie vom Fetisch unterscheidet. Es verfolgt, wie sich der Blick vom metaphysischen Sinn auf dinglichen Eigensinn, auf menschliche Sinne und Sinngebilde verschiebt. Es beobachtet, wie kollektive Wunsch- und Angstbilder zur Darstellung kommen und darüber den Fortschrittsglauben problematisieren. Und es geht der Frage nach, was Geschichte heißt, und wie diese über phantasmagorische Bilder erneut philosophisch relevant wird. Es treten auf: Charles Baudelaire, Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, Karl Marx, Auguste Blanqui, Rosa Luxemburg.

Christine Blättler ist Professorin für Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nach dem Physikum in Humanmedizin studierte sie Philosophie und Slawistik in Bern, Fribourg und Chabarovsk, promovierte zum Extremen Prager Realismus und habilitierte sich zur Figur der Serie. Sie arbeitete am Historischen Wörterbuch ästhetischer Grundbegriffe, lehrte und forschte in Berlin, Stanford und Wien. In ihrer Forschung befasst sie sich mit Wissenschaft, Technik und Kunst als kulturellen Formen. Herausgegebene Bücher: Der Gesandte. Alexandre Kojèves europäische Missionen (2021), Walter Benjamin. Politisches Denken (2016, mit Christian Voller), In Gegenwart des Fetischs. Dingkonjunktur und Fetischbegriff in der Diskussion (2014, mit Falko Schmieder), Ränder der Enzyklopädie (2012, mit Erik Porath), Kunst der Serie. Die Serie in den Künsten (2010).

Marcel Raabe: Die letzten Stunden Walter Benjamins

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Marcel Raabe: Die letzten Stunden Walter Benjamins. Eine Rekonstruktion und eine Wanderung
Trottoir Noir | Skizzenbücher # 13
1. Auflage, Leipzig, April 2021
336 Seiten, 20 Farbfotografien, Umschlagklappen, EUR 16,00
ISBN 978-3-945849-16-3

Am 25. September 1940 überquerte Walter Benjamin auf der Flucht vor den Nazis die Pyrenäen. Er hat das Tal auf der spanischen Seite bereits erreicht, hat ein Visum für die USA, die Transiterlaubnis durch Spanien nach Portugal hat er auch. Was er nicht hat, ist ein französisches Ausreisevisum. Die spanischen Grenzbeamten erlauben die Übernachtung in Port-Bou – die Weiterreise erlauben sie nicht. Der nächste Morgen soll die Auslieferung nach Frankreich bringen, und damit an die deutschen Verfolger. Sein mitgeführtes Manuskript ist jetzt in Spanien, sein eigenes Überleben ist ihm schon egal. Walter Benjamin bringt sich um in dieser Nacht.

Die Ereignisse erscheinen rätselhaft, die Überlieferungen ungenau.
Marcel Raabe nimmt eine Reise durch Frankreich und Spanien zum Anlass, anhand der bisher bekannten Aussagen aller Beteiligten die letzten Stunden Walter Benjamins zu rekonstruieren.

Walter Benjamin, Peter Fenves and Julia Ng (eds): Toward the Critique of Violence: A Critical Edition

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Walter Benjamin, Peter Fenves and Julia Ng (eds): Toward the Critique of Violence: A Critical Edition
Stanford University Press, 376pp., Paperback: ISBN 9780804749534
Publication date: June 2021

Marking the centenary of Walter Benjamin’s immensely influential essay, Toward the Critique of Violence, this critical edition presents readers with an altogether new, fully annotated translation of a work that is widely recognized as a classic of modern political theory.

The volume includes twenty-one notes and fragments by Benjamin along with passages from all of the contemporaneous texts to which his essay refers. Readers thus encounter for the first time in English provocative arguments about law and violence advanced by Hermann Cohen, Kurt Hiller, Erich Unger, and Emil Lederer. A new translation of selections from Georges Sorel’s Reflections on Violence further illuminates Benjamin’s critical program. The volume also includes, for the first time in any language, a bibliography Benjamin drafted for the expansion of the essay and the development of a corresponding philosophy of law. An extensive introduction and afterword provide additional context.

With its challenging argument concerning violence, law, and justice—which addresses such topical matters as police violence, the death penalty, and the ambiguous force of religion—Benjamin’s work is as important today as it was upon its publication in Weimar Germany a century ago.

“This translation places before English readers for the first time the most comprehensible version yet of Benjamin’s compelling and demanding essay.”
—Kevin McLaughlin, Brown University

Howard Eiland, Michael W. Jennings: »Walter Benjamin – Eine Biographie«

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Howard Eiland, Michael W. Jennings
»Walter Benjamin – Eine Biographie«
Übersetzt von Irmgard Müller und Ulrich Fries
Gebunden, 1021 Seiten
ISBN: 978-3-518-42841-2
D: 58,00 €
A: 59,70 €
CH: 77,90 sFr
Auch als eBook erhältlich

Im ersten Satz erklärt dieses umfassende, facettenreiche Porträt Walter Benjamin zu einem »der wichtigsten Zeugen der europäischen Moderne«. Damit ist das Programm des Buches vorgegeben: Detailliert wird der Zeuge in seinen Suchbewegungen verfolgt, wie er in herausragender und parteiischer Form den Geist seiner Zeit artikuliert, schwankend zwischen Jugendbewegung, Zionismus, Marxismus und Messianismus. Benjamins Hoffnung, einmal »erstrangiger Kritiker der deutschen Literatur« zu werden, erfüllte sich zu Lebzeiten nicht. Subjektive Dispositionen und objektive Verhältnisse drängten diesen Autor zunehmend in eine randständige, wenngleich von Freunden und Bewunderern geachtete Existenz. Wirtschaftliche Not, Verfolgung und Flucht prägten seine letzten Lebensjahre.

Die Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit über Benjamins Werk (und Leben) setzten bald nach Kriegsende ein: Wer vollstreckte das Testament in seinem Sinne – Theodor W. Adorno oder Hannah Arendt? Gershom Scholem oder die Neomarxisten Berliner Prägung? Oder gar die Studentenbewegung?

Die nun endlich in deutscher Sprache vorliegende, vielgerühmte und reich bebilderte Biographie verarbeitet sämtliches verfügbare Material in einer der Objektivität verpflichteten Weise und stellt auch die unterschiedlichen Haltungen zu Benjamin auf den Prüfstand.

Sie gilt schon jetzt als Standardwerk.

Special Issue: Walter Benjamin on Religion Online

 Journal for Cultural and Religious Theory
Issue 19.3   Fall 2020
Edited by Brian Britt

Many readers of Walter Benjamin have commented on the place of religion in his work, especially in terms of messianism and Judaism, but few of these discussions go beyond generalities. This special issue of JCRT on Walter Benjamin represents the first volume to explore this thinker’s work in dialogue with current theory of religion. The essays collected here contribute to the scholarship on Benjamin and the theory of religion, with the hope that they will bridge these two sets of conversations and generate new work between them.Serious engagement of Benjamin’s work with current theory of religion is long overdue. The first generation of Benjamin scholars tended to project Benjamin onto a spectrum running from secular Marxism to mystical Judaism. These two extremes, which can be associated with Theodor Adorno and Gershom Scholem, continued to shape readings of Benjamin by Jürgen Habermas, Jacques Derrida, Beatrice Hanssen, and others. More recently, nuanced readings of religion in Benjamin by Irving Wohlfarth, Michael Jennings, Daniel Weidner, along with broader engagements by theorists like Talal Asad, Judith Butler, and Slavoj Žižek, have begun to reach wider audiences in the study of religion. The seven essays collected here offer sustained readingsof Benjamin’s work in dialogue with religious theory.  ….
Contributors: Yael Almog, Brian Britt, Roger Green, Nitzan Lebovic, Ori Rotlevy, Carlo Salzani, Daniel Weidner